Der Stammbaum von Hermes gehört zu den beweglichsten und vielseitigsten Familienlinien der griechischen Mythologie. Hermes war der Sohn des Zeus und der Pleiade Maia, einer Tochter des Titanen Atlas. Als Götterbote, Seelenführer, Schutzgott der Reisenden, Händler, Hirten, Redner, Diebe und Grenzübergänge bewegte er sich zwischen fast allen Bereichen der antiken Welt. Genau diese Vielseitigkeit spiegelt sich auch in seinen Kindern und Nachkommen wider. Während einige olympische Götter über eine klar abgegrenzte Macht verfügen, ist Hermes eine Gottheit des Übergangs. Er überschreitet Grenzen zwischen Himmel, Erde und Unterwelt, zwischen Göttern und Menschen, zwischen Ordnung und List. Britannica beschreibt ihn als göttlichen Boten, Beschützer von Herden und Reisenden sowie Gott von Handel und Gewinn; außerdem wurde er mit Wegen, Türen, Glücksfunden und teilweise auch Fruchtbarkeit verbunden.
Diese Funktionen erklären, warum seine Nachkommen in sehr unterschiedlichen Bereichen erscheinen: Natur, Liebe, List, Bewegung, Musik, Herden, Grenzräume und heroische Abstammungslinien. Der Stammbaum von Hermes ist nicht so geschlossen wie der Stammbaum von Zeus, Poseidon oder Ares. Viele seiner Kinder werden in antiken Quellen nur kurz genealogisch erwähnt. Theoi weist ausdrücklich darauf hin, dass zahlreiche Hermes-Kinder nur über knappe Abstammungsangaben mit ihm verbunden sind und diese Zuschreibung häufig ihre Rolle als Boten, Läufer oder bewegliche Grenzfiguren unterstreicht. Dennoch gibt es mehrere besonders wichtige Nachkommen, darunter Pan, Hermaphroditos, Autolykos, Abderos, Euandros und Myrtilos.
Die Herkunft des Hermes: Sohn von Zeus und Maia
Hermes war nach der verbreiteten Überlieferung ein Sohn von Zeus und Maia. Maia gehörte zu den Pleiaden und war eine Tochter des Titanen Atlas sowie der Pleione. Damit verbindet der Stammbaum von Hermes die olympische Linie des Zeus mit einer älteren titanischen Abstammung. Theoi beschreibt Maia als älteste der Pleiaden und berichtet, dass sie in einer Höhle am Berg Kyllene in Arkadien Hermes als Sohn des Zeus gebar.
Diese Geburt in Arkadien ist für Hermes besonders wichtig. Arkadien galt als gebirgige, ländliche Landschaft, die stark mit Hirten, Herden, Natur und alten Kulten verbunden war. Hermes erscheint deshalb nicht nur als eleganter Bote des Olymp, sondern auch als ursprünglich sehr bodennahe Gottheit. Er schützt Herden, Wege, ländliche Grenzen und Reisende. Seine spätere Rolle als schneller Götterbote ergänzt diese ältere Verbindung zur Bewegung über Landschaften, Wege und Schwellen.
Schon als neugeborenes Kind zeigt Hermes in den Mythen seine besonderen Eigenschaften. Er verlässt heimlich seine Wiege, stiehlt die Rinder Apollons und erfindet die Leier. Diese frühen Geschichten machen ihn zu einer Gottheit der List, Erfindungsgabe und schnellen Bewegung. Der Stammbaum von Hermes muss deshalb immer auch seine Funktion mitdenken: Seine Kinder sind selten zufällig, sondern spiegeln häufig Aspekte seiner Beweglichkeit, Klugheit, Grenzüberschreitung und Fruchtbarkeit wider.
Hermes als Vater: Warum sein Stammbaum so vielseitig ist
Der Götterbote Hermes hatte im Vergleich zu Zeus oder Poseidon keine einzelne große dynastische Linie, die die gesamte griechische Mythologie beherrscht. Sein Stammbaum wirkt eher verzweigt, punktuell und funktional. Viele Kinder des Hermes sind mit bestimmten Regionen, Fähigkeiten oder symbolischen Aufgaben verbunden. Das passt sehr gut zu seinem Charakter als Gott der Übergänge. Hermes schafft Verbindungen, aber er baut selten ein festes Herrscherhaus auf.
Besonders auffällig ist, dass mehrere Kinder des Götterboten Grenzfiguren sind. Hermaphroditos verbindet männliche und weibliche Eigenschaften. Pan steht zwischen Mensch, Tier und Naturgottheit. Autolykos ist ein Meisterdieb und Ahnherr des listenreichen Odysseus. Myrtilos ist Wagenlenker, Verräterfigur und mit einem folgenreichen Fluch verbunden. Diese Figuren verkörpern keine stabile Ordnung, sondern Übergänge, Mischformen, Bewegung und Ambivalenz. Gerade dadurch ist der Stammbaum von Hermes besonders spannend. Er zeigt nicht nur, wer seine Kinder waren, sondern welche mythologischen Kräfte aus Hermes hervorgehen konnten: List, Reise, Natur, Sexualität, Erfindung, Handel, Täuschung, Sprache und Vermittlung zwischen Welten.
Die wichtigsten Kinder des Götterboten Hermes
Zu den wichtigsten Kindern des Götterboten gehören Pan, Hermaphroditos, Autolykos, Abderos, Euandros und Myrtilos. Die Quellenlage ist dabei nicht immer einheitlich. Gerade beim Gott Hermes wechseln die genannten Mütter je nach Autor, Region oder späterer Tradition. Deshalb ist es sinnvoll, bei einem Stammbaum zwischen besonders bekannten, häufiger genannten Kindern und unsichereren oder regionalen Varianten zu unterscheiden.
- Pan ist einer der bekanntesten Söhne des Hermes. Er galt als Gott der Hirten, Herden, Weiden, Berge, Wälder und wilden Natur. Sein Aussehen war halb menschlich, halb ziegenhaft: mit Hörnern, Bocksbeinen und einer engen Verbindung zu Musik und ländlicher Ekstase. Pan passt hervorragend zu Hermes, weil beide eine starke Verbindung zu Hirten, Herden und ländlichen Räumen besitzen. In Pan erscheint die naturhafte, wilde und fruchtbare Seite der Hermes-Linie besonders deutlich.
- Hermaphroditos war nach späterer Überlieferung ein Sohn von Hermes und Aphrodite. Theoi beschreibt ihn als Sohn der beiden olympischen Götter, der durch die Verbindung mit der Nymphe Salmakis zu einer Gestalt mit männlichen und weiblichen Merkmalen wurde. Britannica erklärt ebenfalls, dass eine hellenistische Legende Hermaphroditos als schönen Sohn von Hermes und Aphrodite kennt. In dieser Figur verbinden sich die Beweglichkeit des Götterboten und die erotische Macht der Liebesgöttin zu einer einzigartigen Gestalt der Grenzüberschreitung.
- Autolykos war ein berühmter Trickster, Dieb und Meister der Täuschung. Er gilt in vielen Überlieferungen als Sohn des Hermes und wurde später besonders wichtig, weil er als Großvater des Odysseus erscheint. Damit führt die Linie des Hermes indirekt zu einem der berühmtesten Helden der griechischen Mythologie. Odysseus ist nicht zufällig für List, Verstellung, Sprache und kluge Täuschung bekannt. Über Autolykos erhält diese Eigenschaft eine genealogische Verbindung zu Hermes, dem Gott der List und der schlauen Übergänge.
- Abderos war ein weiterer Sohn des Götterboten und ein Gefährte des Herakles. Er wurde in Zusammenhang mit den menschenfressenden Stuten des Diomedes genannt und starb in dieser gefährlichen Episode. Später soll Herakles zu seinem Andenken die Stadt Abdera gegründet haben. Abderos zeigt eine heroischere Seite der Hermes-Nachkommenschaft: Er gehört nicht zu den großen Olympiern, aber er verbindet den Stammbaum des Hermes mit dem Sagenkreis um Herakles.
- Euandros oder Evander wurde in späterer Tradition als Sohn des Hermes beziehungsweise des römisch gleichgesetzten Mercurius und der Nymphe oder Prophetin Carmenta verstanden. Er spielte besonders in der italischen und römischen Mythentradition eine Rolle, weil er als Kulturbringer und früher Siedler vor der Ankunft des Aeneas in Latium galt. Diese Verbindung passt wiederum gut zu Hermes: Euandros bringt Sprache, Kult, Ordnung oder kulturelle Formen in neue Räume. Der Götterbote wird dadurch zum Ahnherrn einer vermittelnden Kulturfigur.
- Myrtilos schließlich zeigt die gefährliche Seite von List und Geschwindigkeit. Als Wagenlenker des Oinomaos war er in die Geschichte von Pelops und Hippodameia verwickelt. Seine Ermordung und sein Fluch wurden später mit dem Unglück des Hauses der Atriden verbunden. In Myrtilos wird sichtbar, dass Hermes’ Welt der Bewegung und Täuschung nicht nur nützlich, sondern auch zerstörerisch sein konnte.
Stammbaum von Hermes
Eltern von Hermes
Herrscher des Olymp
Pleiade, Tochter des Atlas
Hermes im olympischen Götterkreis
Götterbote, Seelenführer und Gott der Wege
Olympier
Partnerinnen und Kinder des Hermes
Hermes und Aphrodite
Götterbote
Göttin der Liebe
Göttliche und mythische Kinder
Gott der Hirten, Herden und wilden Natur
Mutter je nach Überlieferung unterschiedlich
Kind von Hermes und Aphrodite
Göttin des Glücks
in manchen Traditionen mit Hermes verbunden
Heroische und sterbliche Nachkommen
Meisterdieb und Großvater des Odysseus
Gefährte des Herakles
Kulturbringer in italischer Tradition
Wagenlenker des Oinomaos
Pan: Der wilde Sohn des Götterboten
Unter den Kindern des Hermes ist Pan besonders wichtig, weil er viele ältere und ländliche Aspekte des Hermes weiterführt. Pan ist kein höfischer Olympier, sondern eine Gottheit der Berge, Weiden, Höhlen, Herden und Hirtenmusik. Sein Mischwesen aus menschlichen und tierischen Merkmalen zeigt eine Nähe zu Naturkräften, die nicht vollständig zivilisiert oder geordnet sind.
Als Sohn des Götterboten verkörpert Pan die Verbindung von Bewegung, Herden, Fruchtbarkeit und Natur. Hermes schützt Wege und Hirten; Pan lebt in der wilden Landschaft, erschreckt Menschen mit plötzlicher Panik und spielt auf seiner Syrinx. In dieser Linie erscheint Hermes weniger als eleganter Bote des Olymp, sondern als Vater eines archaischen Naturgottes. Das macht Pan zu einer der wichtigsten Gestalten im erweiterten Stammbaum des Hermes.
Hermaphroditos: Kind von Hermes und Aphrodite
Hermaphroditos ist eines der symbolisch bedeutendsten Kinder des Götterboten. Als Sohn von Hermes und Aphrodite verbindet er zwei göttliche Bereiche: Beweglichkeit, Übergang und Grenzüberschreitung auf der einen Seite; Liebe, Schönheit und körperliches Begehren auf der anderen. Schon sein Name verbindet beide Eltern: Hermes und Aphrodite.
Die spätere Erzählung von Hermaphroditos und der Nymphe Salmakis beschreibt eine dauerhafte Verschmelzung männlicher und weiblicher Eigenschaften. Diese Figur wurde in der antiken Kunst besonders beliebt, auch wenn sie im Kult keine so große Bedeutung hatte. Britannica betont, dass Hermaphroditos in einer hellenistischen Legende als Sohn von Hermes und Aphrodite erscheint und später als Wesen mit männlichen und weiblichen Zügen verstanden wurde. Für den Stammbaum von Hermes ist Hermaphroditos deshalb besonders aufschlussreich. Er ist eine Personifikation der Grenze selbst: zwischen männlich und weiblich, zwischen Begehren und Identität, zwischen göttlicher Abstammung und körperlicher Verwandlung. Kaum ein anderes Kind des Hermes zeigt so deutlich, wie stark dieser Gott mit Übergängen verbunden ist.
Autolykos und die Verbindung zu Odysseus
Autolykos ist vor allem deshalb bedeutend, weil er Hermes’ Trickster-Seite weiterführt. Er gilt als Meister des Diebstahls, der Täuschung und der Verwandlung. Diese Eigenschaften passen unmittelbar zu Hermes, der selbst als Gott der Diebe, Händler, Redner und listigen Übergänge galt. Autolykos erscheint daher fast wie eine menschliche oder heroische Fortsetzung der hermetischen Klugheit.
Besonders wichtig ist seine Verbindung zu Odysseus. Autolykos gilt als Großvater des Odysseus, wodurch die berühmte List des Königs von Ithaka genealogisch mit Hermes verbunden wird. Odysseus ist einer der klügsten und sprachmächtigsten Helden der griechischen Mythologie. Seine Fähigkeit zur Täuschung, Verstellung und strategischen Rede wirkt wie ein Erbe des griechischen Gottes über Autolykos. Damit wird der Stammbaum von Hermes indirekt in einen der wichtigsten Erzählkreise der griechischen Mythologie eingebunden. Ohne Autolykos wäre Hermes vor allem Götterbote und Grenzgott; durch Autolykos führt seine Linie bis in die Welt der homerischen Helden hinein.
Die Bedeutung des Stammbaums von Hermes
Der Stammbaum von Hermes zeigt eine ungewöhnlich vielseitige göttliche Linie. Seine Kinder sind keine einfache Herrscherfamilie und bilden keine geschlossene Dynastie. Stattdessen spiegeln sie die vielen Funktionen des Götterboten: Natur und Herden bei Pan, Liebe und körperliche Grenzüberschreitung bei Hermaphroditos, List und Diebstahl bei Autolykos, heroische Erinnerung bei Abderos, kulturelle Vermittlung bei Euandros und gefährliche Täuschung bei Myrtilos.
Gerade diese Vielfalt macht Hermes zu einer der spannendsten Figuren der griechischen Mythologie. Er ist nicht nur der schnelle Bote mit Flügelschuhen, sondern ein Gott der Übergänge, dessen Einfluss viele mythologische Räume berührt. Seine Nachkommen zeigen, dass Bewegung, Sprache, List, Liebe, Natur und Grenzüberschreitung in der antiken Vorstellungswelt eng miteinander verbunden sein konnten. Wer den Stammbaum von Hermes versteht, erkennt deshalb auch die besondere Funktion dieses Gottes. Der Götterbote steht nicht still. Er vermittelt, verbindet, täuscht, führt, begleitet und überschreitet Grenzen. Seine Kinder setzen genau diese Eigenschaften in unterschiedlichen Formen fort.
Quellenverzeichnis
- Theoi – Hermes
- Theoi – Hermes Family
- Theoi – Hermes Loves
- Theoi – Hermaphroditos
- Encyclopaedia Britannica – Hermes
- Encyclopaedia Britannica – Hermaphroditus
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Stammbaum von Hermes
Wer waren die Eltern von Hermes?
Die Eltern von Hermes waren Zeus und Maia, eine Pleiade und Tochter des Titanen Atlas.
Welche Kinder hatte Hermes?
Zu den bekanntesten Kindern des Hermes gehören Pan, Hermaphroditos, Autolykos, Abderos, Euandros und Myrtilos.
War Pan ein Sohn von Hermes?
Ja, Pan wird in vielen Überlieferungen als Sohn des Hermes genannt. Die Mutter wird je nach Quelle unterschiedlich angegeben.
Wer war Hermaphroditos?
Hermaphroditos war nach späterer Überlieferung ein Sohn von Hermes und Aphrodite. Er wurde als Gestalt mit männlichen und weiblichen Merkmalen bekannt.
Wie ist Hermes mit Odysseus verbunden?
Über Autolykos, einen Sohn des Hermes, wird Hermes genealogisch mit Odysseus verbunden. Autolykos gilt als Großvater des Odysseus.
Über diesen Artikel
Dieser Artikel basiert auf antiken Überlieferungen, homerischen und späteren mythographischen Traditionen sowie modernen Fachquellen zur griechischen Mythologie und zur genealogischen Stellung des Götterboten Hermes. Alle Angaben ohne Gewähr.
Stand der Informationen: Juni 2026